FRAUNHOFER GESELLSCHAFT

Die „Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung“ ist als privater Verein organisiert, ihre knapp 80 Institute erhalten ihre Grundfinanzierung jedoch von Bund und Ländern. Auch ein großer Teil der Auftragsforschung wird durch öffentliche Gelder, der überwiegende Rest von der Industrie finanziert. Ziel ist explizit die anwendungsorientierte Forschung für die Industrie. Es ist jedoch auch etablierte Praxis, dass Wissenschaftler*innen aus ihrer Forschung an den Fraunhofer-Instituten heraus selbst Patente anmelden und Unternehmen gründen, um neue Technologien zu kommerzialisieren.
Die knapp 80 Institute bearbeiten ein breites Spektrum von Themen. Zehn von ihnen sind jedoch im „Fraunhofer-Leistungsbereich Verteidigung, Vorbeugung und Sicherheit“ (VVS) zusammengefasst, sind der „Forschung und Entwicklung auf den Gebieten Verteidigung und Zivile Sicherheit“ verpflichtet und betreiben Ressortforschung für das Verteidigungsministerium. Zu den explizit genannten Anwendungsfeldern des VVS gehören u.a. die „Grenzsicherheit“, „Informationsgewinnung, Aufklärung und Entscheidungsunterstützung“. Der VVS umfasst u.a. die Institute für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR), Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE), Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) und jenes für Integrierte Schaltungen (IIS), die zugleich besonders aktiv bei Technologien der Grenzüberwachung sind. Das FHR forscht primär und kontinuierlich zu Sensorik, wie sie auf Satelliten, Drohnen, und Patrouillenfahrzeugen zum Einsatz kommt und optimiert diese für verschiedene Anwendungen. Es liegt ebenso wie das FKIE auf dem Wachtberg bei Bonn. Das FKIE wiederum entwickelt Kommunikations- und Steuerungssysteme für die Bundeswehr und andere „Behörden oder Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ (BOS) und ist darüber hinaus im Bereich der „Cybersicherheit“ und auch „Cyber-Verteidigung“ aktiv. Beide arbeiten teils eng abgestimmt mit dem IOSB in Ettlingen bei Karlsruhe, welches sich auf die Auswertung und Aufbereitung von Sensordaten sowie deren Darstellung – z.B. auf Bildschirmen oder „digitalen Lagetischen“ ? spezialisiert hat. Das IIS mit Hauptsitz in Erlangen entwickelt auch für diese Anwendungen optimierte Chip-Architekturen. Von den Trägersystemen (also den konkreten Fahrzeugen, Drohnen etc.) abgesehen, liefern diese vier Institute ? mit teilweise überlappenden Aufgabenfeldern ? damit die wesentlichen Komponenten einer hochtechnologischen Grenzüberwachung.
Insgesamt hat die Fraunhofer Gesellschaft von allen Forschungseinrichtungen europaweit am meisten von der Sicherheitsforschung in den Forschungsprogrammen FRP7 und Horizon2020 profitiert. Das IOSB war beispielsweise in die Projekte AMAAS und WIMAAS eingebunden, welche den Einsatz von Sensorbojen und Drohnen für die Bekämpfung illegalisierter Migration erproben sollten. Ebenso beteiligt war es an den Projekten PHAROS und PREVISION, welche die Satellitenkommunikation und automatisierte Datenauswertung für „Sicherheitsbehörden“ optimieren sollten. Ähnliche Projekte behandelt(e) das IOSB parallel im Rahmen der nationalen „zivilen“ Sicherheitsforschung und für die Bundeswehr. Es ist führend an der Erprobung intelligenter Videoüberwachung im öffentlichen Raum am Mannheimer Hauptbahnhof beteiligt und war mehrfach Ausrichter der von dystopischen Überwachungs-Phantasien geprägten „Future Security Conference“.

Kategorie: 4 | Branche: Forschung

Land: Deutschland | Standorte: Ettlingen (DE), Bonn (DE), Erlangen (DE), München (DE)

Letzte Bearbeitung: 10. Juli 2021

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