Frage 5: Wer sind die Verlierer?

(c) Laura Lambert

Die heutige Grenzziehung afrikanischer Staaten ist Erbe des Kolonialismus. Die aufgrund von europäischen Wirtschafts- und Machtinteressen auf der Landkarte gezogenen Linien durchschneiden die Wanderungsgebiete nomadischer und pastoralistischer Bevölkerungen und ethnische Verwandtschaften. Die Aufrüstung der Grenzen bedroht die lokalen Ökonomien und Handelswege. Saisonale Migration wird zu „internationaler“ Migration. In vielen Fällen führen europäische Grenzmanagementprojekte dazu, dass klassische Migrationswege gekappt werden, weil auch der innerafrikanischen Migration pauschal unterstellt wird, nur ein erster Schritt auf dem Weg nach Europa zu sein.

Die regionalen Staatengemeinschaften in Ost- und Westafrika, die nach dem Vorbild der EU gegründet wurden, haben den freien Verkehr von Arbeitskräften und Waren in ihr Programm geschrieben und wollen gemeinsame Reisepässe einführen. Integration statt Regulation birgt Entwicklungspotential für den ganzen Kontinent. Einerseits finanziert die EU die Afrikanische Union, andererseits macht sie Integrationsprozesse mit ihrer Aufrüstung der Grenzen zunichte. Sie fördert gemeinsame Militär- und Polizeieinheiten (vor allem die „G5 Sahel Joint Force“) und bildet sie aus, aber für Zivilist*innen wird der offizielle Grenzübertritt zunehmend schwieriger, teurer und gefährlicher. Die EU verfährt nach dem Motto: Schengen für die EU, Grenzkontrollen für Afrika. Viele Gebiete, besonders im Sahel und in der Sahara, sind in den wenigen Jahren seit 2015 zu Gebieten unter militärischer Belagerung geworden.

Diese Seite zeigt: Die Reisefreiheit der Europäer*innen wird mit Grenzkontrollen in Afrika und einer Allgegenwart der Überwachungstechniken erkauft.

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