Ghana

von Katrin Gänsler

Basisdaten

Ghana wurde vor seiner Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1957 Goldküste genannt. Die Hauptstadt ist Accra. Weitere große Städte sind Kumasi, Tamale, Takoradi und Cape Coast. Ghana grenzt an die Elfenbeinküste, Burkina Faso und Togo. Heute wohnen 29,8 Millionen Menschen im Land, von denen 56,4 Prozent jünger als 25 Jahre alt sind. Der Altersdurchschnitt liegt bei 21,2 Jahren. Die größte ethnische Gruppe sind die Akan. Knapp 72 Prozent der Einwohner*innen bekennen sich zum Christentum. Neben der offiziellen Sprache Englisch werden 80 weitere gesprochen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 71 Prozent.

Regierung, Wirtschaft und Konflikte

Ghana erhielt am 6. März 1957 als erste britische Kolonie die Unabhängigkeit. Erster Präsident war Kwame Nkrumah, ein Vertreter des Panafrikanismus, der bis heute in der Region sehr geschätzt wird. Nach Regierungswechseln und Staatsstreichen begann 1993 die Phase der vierten Republik. Ghana ist eine Präsidialrepublik mit Mehrheitswahlrecht. Das Parlament hat 275 Sitze. Seit Dezember 2016 ist Nana Akufo-Addo Staats- und Regierungschef, der sich gegen Amtsinhaber John Mahama durchsetzte. Das politische Geschehen wird im Wesentlichen von zwei Parteien, der New Patriotic Party (NPP), der auch Akufo-Addo angehört, und dem National Democratic Congress (NDC) bestimmt. Immer wieder wird Kritik geäußert, dass sich die politische Klasse aus wenigen Familien zusammensetzt, die seit Jahrzehnten über die politische Macht verfügen und dass das System kaum durchlässig ist. Reporter ohne Grenzen listet das Land auf Platz 27 im internationalen Vergleich der Pressefreiheit.

Ghana belegt im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen Platz 140 von 188 und damit im afrikanischen Vergleich einen der vorderen Plätze. Seit November 2010 bewertet die Weltbank Ghana als Middle-Income-Country (MIC). Nur einen Monat später begann Ghana mit der Offshore-Ölförderung des Jubilee Fields, das drei Jahre zuvor entdeckt worden war. Die Regierung hoffte damals, dass die Ölförderung dem Land ein Wirtschaftswachstum von bis zu 12 Prozent verschaffen würde. Besonders junge, gut ausgebildete Hochschulabsolvent*innen versprachen sich gut bezahlte Jobs. Dass die Ölförderung jedoch kein Garant für wirtschaftliche Stabilität ist, hat das Jahr 2015 gezeigt, in dem es in Ghana zu einer Rezession gekommen ist. Im Vergleich zu 2013 sank das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 14 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2018 lag es bei 65,5 Milliarden US-Dollar. Aufgrund eines neuen Ölfelds hat Finanzminister Ken Ofor-Atta im September 2019 prognostiziert, dass im Jahr 2023 bis zu 420.000 Barrel Öl täglich gefördert werden könnten. 2018 wuchs das BIP um 6,3 Prozent auf insgesamt 65,6 Milliarden US-Dollar. Mit 57,2 Prozent trägt der Dienstleistungssektor am stärksten dazu bei, gefolgt von Industrie (24,5%) und Landwirtschaft (18,3%). Die Rücküberweisungen von Migrant*innen betrugen 2018 3,8 Milliarden US-Dollar und machten 7,3 Prozent des BIPs aus. Ghana liegt auf Rang 78 von 180 im Korruptionsindex von Transparency International.

Ghana gilt als politisch stabil. Aufgrund der Entwicklung in Burkina Faso ist das Land jedoch in erhöhter Alarmbereitschaft und befürchtet Terrorangriffe.

Migrationsbewegungen

Ghana ist innerhalb Westafrikas ein beliebtes Zielland für Migrant*innen. Nach Schätzung der Vereinten Nationen lebten 2010 mehr als 1,8 Millionen Einwanderer*innen im Land, die 6,5 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Andere Organisationen gehen jedoch nur von einer halben Million oder weniger Personen aus.

Die größte Gruppe der Immigrant*innen sind ECOWAS-Bürger*innen und vor allem Nigerianer*innen, die 20 Prozent der Migrant*innen ausmachen. Darunter sind nicht nur Geschäftsleute: Ghanaische Universitäten sind bei nigerianischen Studierenden beliebt. Im Vergleich zu Nigeria kommt es nicht zu langen Ausfällen des Studiums durch Streiks, sodass die Ausbildung in der vorhergesehenen Zeit absolviert werden kann. In den 1970er Jahren war die Situation noch umgekehrt, und hunderttausende Ghanaer*innen zogen zum Arbeiten nach Nigeria. 1983 wurden jedoch bis zu eine Million von ihnen wieder deportiert. Seit der Krise in Libyen sind außerdem mindestens 18.000 Ghanaer*innen aus dem nordafrikanischen Land zurückgekehrt, da sie dort aufgrund des Krieges weder Sicherheit haben, noch wirtschaftliche Perspektiven. Außerdem hat die Internationale Organisation für Migration (IOM) seit Ende 2017 mehr als 1.000 Ghanaer*innen aus Libyen zurück geflogen.

Flüchtlinge werden in Ghana beim Ghana Refugee Board registriert. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der UN (UNHCR) lebten im August 2019 insgesamt 11.981 Flüchtlinge in Ghana, von denen mehr als die Hälfte aus der Elfenbeinküste stammt. 2002 trat der Citizenship Act in Kraft, mit dem unter anderem die doppelte Staatsbürgerschaft geregelt wird. 2016 veröffentlichte das Innenministerium außerdem ein nationales Migrationsprogramm.

Nach Einschätzung der EU lebten 2018 rund 857.600 Ghanaer*innen im Ausland und davon gut 247.300 in der EU. 2014 hatten dort 120.000 von ihnen einen Aufenthaltstitel und zwar am häufigsten in Großbritannien, Italien und Deutschland. In Deutschland hieß es 2018, dass 4.200 Ghanaer*innen illegal im Land sind. 2017 wurden 5.030 von ihnen aufgefordert, wegen fehlender Papiere die EU zu verlassen. Die Rückkehrerrate lag bei 18 Prozent. In der EU wurden 2016 10.851 Ghanaer*innen eingebürgert. In der Region ist Nigeria mit mehr als 229.000 ghanaischen Migrant*innen besonders beliebt. 158.481 leben in den USA.

Die Zahl der Ghanaer*innen, die Asyl beantragt, ist seit Jahren rückläufig. 2018 wurden weltweit 3.920 Anträge gestellt mit einer Aufnahmequote von 3,3 Prozent. 2015 waren es noch 8.858. 2018 wurden die meisten Asylanträge in Italien gestellt. Deutschland lag mit 863 Anträgen an zweiter Stelle. Die Aufnahmequote betrug 1,8 Prozent. Deutschland hat, wie mehrere EU-Staaten, auch Ghana als sicheres Herkunftsland eingestuft.

Ghana gehört zu jenen Ländern, für deren Bevölkerung es kompliziert ist, ein Visum für den Schengen-Raum zu erhalten. Laut Frontex-Bericht von 2014 wurden zwar 20.000 Visa ausgestellt, 38 Prozent der Anträge allerdings abgelehnt. 2017 wurden nach EU-Informationen 31.987 Anträge für Schengen-Visa gestellt, von denen 19.606 genehmigt wurden. Die Ablehnungsrate lag bei 37,1 Prozent. Die Zahl der Anträge ist seit Mitte 2015 angestiegen.

EU-Engagement und Kooperationen

Seit 2005 gibt es ein „Memorandum of Understanding“ zwischen Ghana und Spanien. Darin festgehalten sind unter anderem soziale, wirtschaftliche und politische Kooperation und die Zusammenarbeit in Migrationsangelegenheiten. In diesem Zusammenhang haben 5.000 Ghanaer*innen in Spanien eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Ein weiteres Memorandum wurde 2010 zwischen Ghana und Italien unterzeichnet. Mit der EU ist ein drittes in Arbeit.

In Accra ist im Dezember 2017 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Migrationsberatungszentrum eröffnet worden, das über Job- und Ausbildungsmöglichkeiten informieren soll. Ghana gehört außerdem zu den sieben Ländern, die für eine Partnerschaft im Rahmen der Initiative „Compact with Africa“ der deutschen G20-Präsidentschaft ausgewählt wurde.

Aus dem elften Europäischen Entwicklungsfond (EDF) soll Ghana für die Bereiche Arbeitsbeschaffung und soziale Sicherung 31 Millionen Euro erhalten. In den Sektor Landwirtschaft sollen 161 Millionen Euro fließen. Weitere sechs Millionen Euro sind für Kommunalprojekte sowie zur Unterstützung der Zivilgesellschaft geplant. Ziel ist es, wirtschaftliche Entwicklung auf lokaler Ebene voran zu treiben und Jobs zu schaffen.

EU, IOM, die ghanaische Einwanderungsbehörde GIS sowie der Regionalrat von Brong Ahafo, eine Region in Zentralghana, haben im Februar 2016 Ghanas Migrationsmanagement Programm GIMMA gestartet. Kernstück ist das Informationszentrum für Migration, das „neutrale Informationen“ bieten soll. Dafür wurden im zehnten Europäischen Entwicklungsfond drei Millionen Euro bereitgestellt. Unter anderem gibt es Kampagnen, die vor der irregulären Migration warnen sollen. Sie richten sich vorwiegend an junge Menschen, da gut ein Drittel der Migrant*innen, die aus Libyen zurückgeflogen wurden, im schulpflichtigen Alter war.

Ghana hat folgende Abkommen unterzeichnet: Refugee Convention (1963), Refugee Protocol (1968), Convention on the Rights of the Child (1990), UN Migrant Workers Convention (2000), Human Trafficking Protocol (2012), Migrant Smuggling Protocol (2012).

Im Rahmen der Africa-Frontex Intelligence Community (AFIC) gibt es eine Kooperation mit Frontex. Im Januar 2019 eröffnete Frontex im Rahmen von AFIC eine Risikoanalysenzelle („Risk Analysis Cell“).

NGOs und Zivilgesellschaft

Diskussionen zu Migration, aber auch die Überlegungen, eine Ausbildung oder ein Studium im Ausland zu absolvieren, finden in Ghana häufig statt. Nach einer Umfrage von Afribarometer denken 41 Prozent der Ghanaer*innen darüber nach, ihr Land zu verlassen. 20 Prozent denken darüber „sehr häufig“ nach. Grund dafür sind fehlende oder schlecht bezahlte Jobs. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt zwischen 25 und 50 Prozent. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Junge Menschen klagen zudem häufig darüber, dass sie kaum Chancen haben, ein Visum für Europa zu erhalten und ihre Anträge häufig abgelehnt werden.

Mit Informationsveranstaltungen soll immer wieder vor Migration ohne Papiere gewarnt werden. Neben Diskussionsrunden werden mitunter auch Theaterstücke aufgeführt, um so Menschen im ländlichen Raum zu erreichen.

Wirtschaftliche Interessen und Rüstung

Im Doing-Business-Report der Weltbank aus dem Jahr 2020 liegt Ghana auf Platz 118 und ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren einigermaßen stabil geblieben. Das deutsche Interesse an Ghana als Handelspartner und vor allem am Absatzmarkt ist groß. Ghana zählt nach Einschätzung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu den „zugänglichsten Märkten in Subsahara-Afrika“ und wird als afrikanisches Erfolgsmodell angepriesen. Es gilt als einer der wichtigsten Handelspartner in Afrika mit einem bilateralen Handelsvolumen in Höhe von 481 Millionen Euro (2017). Dieses wuchs schon 2018 um 25 Prozent auf 630 Millionen Euro. Deutschland ist nach Informationen des Auswärtigen Amtes Marktführer beim Fahrzeugimport. Eingeführt werden außerdem Maschinen und chemische Erzeugnisse. Auch die Initiative „Compact with Africa“ preist Ghana als Geschäfts- und Investitionsstandort an.

Die Rüstungsexporte nach Ghana sind indes in den vergangenen 20 Jahren gering. 2012 wurden jedoch zwei Patrouillenboote zum Preis von 31,8 Millionen Euro geliefert.

Migration in Zahlen

2018: 3.920 Asylanträge (weltweit), Aufnahmequote 3,3 Prozent

2018: 863 Asylanträge (Deutschland), Aufnahmequote 1,8 Prozent

2018: ca. 4.200 Ghanaer in Deutschland ohne Aufenthaltstitel

2019: 11.981 Flüchtlinge in Ghana

2019: zwischen 500.000 und 1,8 Millionen Migranten in Ghana, davon etwa zwei Drittel aus ECOWAS-Staaten

2018: Rücküberweisungen in Höhe von 3,8 Milliarden US-Dollar, 7,3 Prozent des BIP

Informelle Vereinbarungen mit Migrationsbezug mit Italien „Memorandum of Understanding“ (2010); mit Spanien „Memorandum of Understanding“ (2005)

Formale Rücknahmeabkommen mit EU, Italien, Spanien

Frontex-Kooperation via African Intelligence Community

Materialien und Quellen