Die Colour Line durch Afrika

März 29th, 2025 - von: migration-control.info

Ausführliches Update 07.02.2026


Wir wollen mit diesem Text die jüngsten Entwicklungen in den ausgelagerten Grenzräumen Europas in einer zusammenfassenden Darstellung nachzeichnen. Aus der Synopsis ergibt sich eine Vorstellung von der jüngsten Phase des neo-imperialistischen Zugriffs auf Afrika.


Im Jahr 1899 schrieb W.E.B. Du Bois in seinem berühmten Buch The Philadelpia Negro diesen Satz:

In allen Lebensbereichen wird der Neger auf Ablehnung oder unhöfliche Behandlung stoßen, und die Bande der Freundschaft oder der Erinnerung sind selten stark genug, um über die Colour Line hinweg zu halten".

Einige Jahre später schrieb er in seinem Essay Of the Dawn of Freedom folgendes:

"Das Problem des zwanzigsten Jahrhunderts ist das Problem der Colour Line - das Verhältnis der dunkleren zu den helleren Menschen in Asien und Afrika, in Amerika und auf den Inseln des Meeres".

Du Bois war ein Reisender zwischen den Welten.[1] Er wusste, dass „Race“ ein kulturelles und historisches Konstrukt ist, das nichts mit Biologie oder Hautfarbe zu tun hat. Heute, 100 Jahre später, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Colour Line nicht nur ein Problem des „Racial Century“ war, wie Dirk Moses die Zeit zwischen 1850 und 1950 genannt hat. Black Lives Matter ist ein unvermindert hochaktuelles Problem, und zwar transkontinental.

Gegenwärtig baut sich von Europa nach Süden ein Feld von Spannungen auf, welches durch die Rekonstruktion der durch die Sahara ziehenden Colour Line charakterisiert ist. Die gegenwärtige Krise von weltweiter ökonomischer Stagnation und Aufrüstung, in welcher die digitale Transformation des Kapitalismus noch von Ungewissheiten geprägt ist, erscheint in vielen Regionen Afrikas als Periode von Extraktivismus, Krieg und Vertreibung. Grenzen sind zu Zonen der Nekropolitik geworden.

Rassismus als Migrationsmanagement

Von den Brandenburgischen Sümpfen und dem Dresdener Hinterland, über die italienischen Alpinisti und Fraternelli bis zu den Libyschen Milizen, der Guardia in Tunesien, den Schlächtern in Darfur sehen wir eine Kaskade des Rassismus, in der auch der Rassismus der Hautfarbe wiederaufersteht. Die Colour Line durch Afrika ist Teil eines europäischen Kordons. Dieser Kordon ist eine Staffelung von Zonen, mit denen Black Lives in Kriegs- und Vertreibungsgebieten eingeschlossen werden. Wir erleben eine Rassifizierung des Mobilitäsregimes, die bei den Visaerteilungen anfängt und die zu Süden hin durch „Toture Roads“ und Push-backs charakterisiert ist.

Mit der rassistischen Staffelung des Raums wird eine koloniale Kontinuität aufgerufen. Der Rassismus der Hautfarbe geht zurück auf die Versklavung von Afrikaner:innen und wurde in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts durch den Kolonialrassismus überlagert. Die Ideologie der Überlegenheit der „Weißen Rasse“, die derzeit im rechtsextremen Spektrum auflebt und die Hand in Hand mit dem Marktliberalismus der Hayek’s Bastards verbreitet wird, nimmt dieses Thema auf. Diese Ideologie ist eine Reaktion auf den Feminismus, die Diversität und den Schwarzen Atlantik. Zugleich ist sie eine Waffe gegen die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte.

Wenn wir in Europa von Rassismus sprechen, müssen wir den Antisemitismus an jedem Punkt mit bedenken. Seit dem Mittelalter gab es immer wieder rassistische Auswüchse gegen die jüdische Diaspora.[2] Modern wurde der Antisemitismus, indem er sich gegen die subsistenzielle Kultur des Schtetl richtete und gegen die Flüchtlingsbewegungen der östjüdischen Armutsbevölkerung.[3] Aus heutiger Sicht stehen auch die Kolonialverbrechen im Rücklicht des Nazismus. Die Ostpolitik des NS stand in einer langen kolonialen Tradition und muss auch in diesem Zusammenhang diskutiert werden.[4] Die koloniale Expansion folgte seit „Karl dem Sachsenschlächter“, seit dem Jahr 772, einem „Drang nach Osten“. Im „Generalplan Ost“ erreichte die Vernichtung und Inwertsetzung von Bevölkerung und Territorien einen dramatischen Höhepunkt.[5]

Der Antisemitismus macht deutlich, dass Rassismus auch ohne die Palette der Hauttönungen aufgerufen werden kann, und auch als „Sozialismus der dummen Kerls“. Manchmal ging es um die vermeintliche Verteidigung eines Lohndifferentials, wie im anti-irischen Rassismus in England und Nordamerika, oder den anti-slavischen Rassismus in Deutschland, manchmal um den Hass auf „fremde“ Reproduktionsweisen, wie im Antiziganismus. Seit den 1990er Jahren sind europaweit vor allem Migrant:innen ins Visier des Rassismus geraten.

Dieser „neue Rassismus“, den A. Sivanandan und Liz Fekete in Race & Class eindrucksvoll beschrieben haben,[6] ist im Wesentlichen ein staatlich induzierter Rassismus, der medial in Szene gesetzt und durch staatliche Politiken ausgeführt wird. Tatsächlich geht es in Europa, und zum Teil auch im Maghreb, nicht allein und nicht in erster Linie um den Rassismus der Hautfarbe, sondern um einen Rassismus des Migrationsmanagements. Es geht um die Regulierung der Arbeitsmärkte (die „Multiplikation der Arbeit“) und um die Festigung des immensen Einkommensgefälles zwischen Nord und Süd.[7] Die Legitimierung der extremen Rechten durch die Flüchtlingsabwehr ist dabei zum Teil erwünscht, zum Teil wird sie in Kauf genommen.

Das ist die Politik einer neuen Mitte. Je weniger sicher die Zeitumstände, desto größer das Verlangen nach nationaler Rückversicherung. Aber die Mehrheit der Wähler:innen ist ein schlechtes Argument. Erinnern wir uns an die Worte von Aimé Césaire aus dem Discourse on Colonialism, dass der größte Kriminelle nicht der ideologische Fanatiker sei, sondern der europäische Bourgeois, der ‚anständige Kerl von nebenan‘, weil er über ein Jahrhundert lang die kolonialen Missbräuche tolerierte: die Kriege, die Folter und das Massensterben, indem er die harten Maßnahmen der Politiker billigte.

Der Kordon ist nicht stabil

Im Januar 2025 veröffentlichte die New York Times einen zusammenfassenden Artikel mit dem Titel: 'Living Through Hell': How North Africa Keeps Migrants From Europe. Darin heißt es,

Libyen hat im vergangenen Monat mehr als 600 Männer aus Niger abgeschoben, da die nordafrikanischen Länder - die von der Europäischen Union zur Bekämpfung der Migration finanziert werden - die Ausweisung von Menschen aus Ländern südlich der Sahara verstärkt haben.
Während in ganz Europa, von Frankreich über Deutschland bis Ungarn, die Stimmung gegen Migranten zunimmt, werden Bürger aus Subsahara-Afrika, die versuchen, den Kontinent zu erreichen, von nordafrikanischen Regierungen in einem seit Jahren nicht mehr gekannten Ausmaß zurückgedrängt. Die EU hat bilaterale Abkommen mit Tunesien, Marokko, Libyen und Mauretanien unterzeichnet, die finanzielle Unterstützung zur „Eindämmung der Migrantenströme“ beinhalten.
Die Strategie scheint zu funktionieren: Laut jüngsten Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex sind die illegalen Grenzübertritte im Jahr 2024 stark zurückgegangen.

Dieser Artikel wirft ein Schlaglicht auf eine dynamische Entwicklung. Europa braucht Migrant:innen, nicht nur auf den Arbeitsmärkten, sondern vor allem, um die Gesellschaft zu beleben und endlich das koloniale Erbe hinter sich zu lassen. New York ist unser Leuchtturm. Die Zahl der Migrant:innen, die Europa erreichen, hat in den letzten 2 Jahren abgenommen. Allerdings ist die Zentrale Mittelmeer-Route ungebrochen, trotz all des Leids und des Ertrinken-Lassens. Ein Report des Mixed Migration Centre stellt fest:

Der jüngste Rückgang der Zahlen ist wahrscheinlich ein Hinweis auf eine kurzfristige Fluktuation und nicht der Anfang vom Ende der irregulären Seetransporte in die EU. Der Drang, das Mittelmeer oder den Atlantik zu überqueren, um in die EU zu gelangen, wird wahrscheinlich konstant bleiben - wenn nicht sogar zunehmen. [...] Die rigorose Politik hat die irreguläre Migration nicht verhindert und die Risiken für die Migrant:innen nur noch erhöht.

Ein großes Durcheinander, wie in jeder großen Umbruchsituation. Die EU setzt auf ein „gemeinsames Asylsystem“ (GEAS) und es ist nicht auszuschließen, dass die Beschränkungen des Rechts auf Asyl dazu führen könnten, dass das Asylsystem als Medium transmediteraner Migration an Bedeutung verliert. Vielleicht ist dies das Ende einer Ära, die 1948 begann[8] und die mit der Krise der liberalen Demokratien zu Ende geht.

Aber vieles ist offen. Schon einmal, in den 2000ern, glaubte die EU, den Mittelmeerraum nach ihren Interessen ordnen zu können. Dann kamen die Aufstände 2011, dann kam er Sommer der Migrationen 2015. Der Kampf Europas gegen die Migration ist mit oder ohne Frontex nicht zu gewinnen. Neue Routen werden sich öffnen, wie jüngst von Ostlibyen nach Kreta. Schlimm genug, dass Despoten wie Haftar und Lukaschenko für die Refugees wie als letzte Rettung erscheinen.

Libyen lässt sich mit den Initiativen Melonis nicht befrieden. Das europäisch-ägyptische Memorandum ist auf Wüstensand gebaut. Tunesien ist nicht sicher, und Saied wird nicht ewig leben. In Marokko lässt sich die Unzufriedenheit der Gen Z mit Repression und prestigeträchtigen Investitionen nicht besänftigen. Die Milliarden, die die EU für Externalisierung und Containmet ausgibt, kommen der Bevölkerung im Maghreb nicht zugute, und schon gar nicht der Schwarzen Bevölkerung. Auch im Sahel ist die Situation instabiler denn je: In Darfur werden Hunderttausende Menschen getötet und vertrieben. In den Staaten der Sahel-Allianz (AES) entvölkert der Krieg gegen die Djihadisten große Gebiete. UNHCR zählt dort 4 Millionen Vertriebene. Die Gen Z dieser Staaten verbrennt in Milizenkriegen. Die Militärregimes der Sahel-Alliianz wie auch im Chad bekommen von der EU kein Geld und haben kein Interesse daran, Migrant:innen aufzuhalten, aber der chronische Krieg blockiert die Migrationswege.

Von auf Dauer geschlossenen Grenzen kann nicht die Rede sein. Kein Geld der EU kann sie kaufen. Wie aber wird Immigration aussehen, wenn das Asylsystem nicht mehr funktioniert? Die irreguläre Migration wird zunehmen, mit all dem Leid, das damit verbunden ist. Die anti-rassistichen Projekte werden sich anpassen müssen. Es wird weniger Migrationswissenschaft und weniger bezahlte Sozialarbeit geben, statt dessen gewinnen Projekte in den Grauzonen der Gesellschaft und vor allem Projekte der Selbstorganisation der Migrant:innen, auf beiden Seiten des Mittelmeers an Gewicht.

Der Gürtel von Kriegen

Wir haben den Zusammenhang von Vertreibung, Extraktion, Landraub und Krieg in unseren Blogbeiträgen über den Sudankrieg und die Emirate sowie Talk About El Fasher beschrieben. Die Emirate heizen diesen Krieg nicht nur durch den Goldhandel und Waffenlieferungen an, ihr Interesse ist Land-Grabbing mittels Vertreibung. Sie stehen nicht allein. Wir müssen diese Analyse ausweiten auf die jüngsten Entwicklungen in der Sahelzone, aber auch auf weitere Gebiete im Horn von Afrika, auf den Ostkongo, den Norden Mosambiks und auch andere Regionen.

ACLED hat kürzlich eine Karte veröffentlicht, die diesen Gürtel von Kriegen quer durch Afrika rot gepunktet darstellt. Wie wir wissen, lässt sich die Konzentration der bewaffneten Konflikte in diesem Gürtel nicht nur durch einen Grund erklären. Zu den wichtigsten Konfliktursachen gehören:

  • der Klimawandel und die Eingrenzung der pastoralen Ökonomien,
  • das Versagen der postkolonialen Staaten und der Aufstieg des Warlordismus, auch unter dem Deckmantel des Militärs, und die Gier vieler Mitglieder der politischen Klasse,
  • der Aufstieg regionaler imperialistischer Akteure, vor allem VAE, KSA, Israel, Türkei, aber auch China und Russland (und auch die USA sind wieder im Anmarsch),
  • die Ausbreitung des Mineralien- und Land-Grabbings als Ökonomie der "realen Werte", seit der Finanzkrise von 2007,
  • der zunehmende Fokus von Großinvestoren auf die afrikanischen Ressourcen,
  • der europäische Hunger nach "sauberer" Energie und der Schutz der Natur in einem "Grünen Krieg",
  • die Rolle des transnationalen Dschihadismus.

Die europäische Politik des Containments ist ein weiterer, sehr wichtiger Faktor. Wenn die Migrationswege verschlossen sind, müssen sich die jungen Männer in den Goldminen verdingen oder sie schließen sich einer Miliz an. Europäische Kommentatoren machen oft den Bevölkerungszuwachs als erste Ursache für Armut und Krieg verantwortlich. Das sind klassische rassistische Argumentationsmuster. Die Bevölkerung wird nicht als Arbeitskraft für die Zukunft, sondern nur noch als Investitionshindernis wahrgenommen. Eine Ökonomie, die David Harvey als Akkumulation durch Enteignung bezeichnet hat, steht seit der Krise von 2007 mehr denn je im Krieg gegen die Reproduktive Ökonomie der Armutsbevölkerung.

Alle Formen des Kriegskapitalismus[9] im Gürtel der Kriege haben eines gemeinsam: die Definition von Bevölkerungen als "überflüssig". Das überschneidet sich mit der Ideologie der rechtsextremen Marktliberalen (Hayek’s Bastards), einer Ideologie der Weißen Suprematie, in welcher Biologie, Rassismus und Bevölkerungspolitik einen hohen Stellenwert haben. Es geht um „Rasse, Gold und IQ“. MAGA, Großkapital und Kriegsprofiteure, Regionalmächte und nationalistische Militärregime verwandeln ganze Regionen Afrikas in "New Frontiers", in einem globalen Wettlauf um Ressourcen, in Zeiten von Peak Oil, Peak Soil, Peak Water und Peak Nature.

Europa ist aufgrund des Kolonialismus tief in diesem Prozess verwickelt, aber nicht mehr der wichtigste Akteur, sondern ein mitschuldiger Zuschauer: nicht nur durch die Mitnahme von Gelegenheitsgewinnen und die Unterstützung europäischer Interessengruppen, sondern vor allem durch die Schließung der Fluchtwege und die Eindämmung der Bevölkerung in den Kriegsgebieten.

ACLED Karte

Karte: ACLED Febr. 2025

Man könnte argumentieren, dass der Gürtel der Kriege durch fehlgeschlagene Revolutionen verursacht wurde. Der Tod von Lumumba 1960 oder von Sankara 1987 sind Meilensteine, aber noch wichtiger erscheinen uns die "Aufstände in Afrika" in den 2010er Jahren: „Weit verbreitete urbane Aufstände von Jugendlichen, Arbeitslosen, Gewerkschaften, Aktivist:innen, Schriftsteller:innen, Künstler:innen und religiösen Gruppen stellen Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Frage. Sie "verbreiteten sich über nationale Grenzen und Regionen hinweg und übersprangen sogar riesige Entfernungen von Ägypten bis Uganda, Senegal bis Malawi, Südafrika bis Nigeria."

Bei diesen Aufständen ging es um das Recht auf ein würdiges Leben und um Perspektiven für die Zukunft, und nicht um "Entwicklung" oder "Nationen". Es waren kollektive Aktionen der "einfachen Leute", und vor allem der jungen Leute, gegen Bestechlichkeit und politische Geschäftemacherei. Es waren Aufstände aus Phantasie und Lebenswillen, die sich in den Revolten der GenZ fortsetzen. Viel spricht dafür, diese Aufstände als „Encroachment“ zu interpretieren, so wie Asef Bayat es in Bezug auf die Arabische Situation von 2011 getan hat. Allerdings gab es in all diesen Bewegungen die offene Frage, wie es nach dem Sturz des Regimes weiter geht. Vielleicht hätten sich die Nachbarschaftskomitees im Sudan zu einem „missing link“ zwischen Aufstand und Revolution entwickeln können?

In den letzten 50 Jahren waren die wichtigsten sozialen Bewegungen nicht nur Aufstände, sondern eben auch Migrationsbewegungen: in die Städte und in die Metropolen (und zurück). Wie Mbembe und andere uns gesagt haben, ist eine der Hauptfähigkeiten vieler Afrikaner:innen: die Bildung von Diaspora. Sie migrieren, um Gewalt und Hunger zu entkommen, um die Welt zu sehen und ein besseres Leben zu finden, und sie migrieren, um ihre Familien zu unterstützen. Sie tragen die moralische Ökonomie ihres Dorfs, ihrer Gemeinschaften, ihres Slums in die Welt. Paul Gilroy sprach von „moralischen Ökonomien in der Kultur des Schwarzen Atlantik“.[10] Der "Kosmopolitismus der kleinen Migrant:innen "[11] könnte eine der wichtigsten sozialen Kräfte des Wandels sein, in Europa und anderswo.

Der Europäische Kordon

Seit dem Abzug der MINUSMA gehört Europa nicht mehr zu den Hauptbeteiligten an der Gewalt im Gürtel der Kriege. Europas Rolle bei der Aufrechterhaltung des Kriegsgürtels ist die Aussendung von FRONTEX, die Lieferung von Überwachungtstechnuik und die Ausschüttung von Geldern für Gefängnisse und Grenzschutz.

Der Fokus auf die Eindämmung von Migrationen hat sich seit der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre von der Türkei und Nordafrika nach Osteuropa (nach dem Fall des Eisernen Vorhangs), dann nach Nordafrika verlagert (nach 1993), zum "Nahen und Mittleren Osten" (als die Menschen aus dem Iran, Syrien und Afghanistan flohen) und seit 2016 überall dorthin, von wo auch immer die Menschen auf der Flucht kamen. Schwarzafrika stand seit 2014 im Mittelpunkt des Khartum-Prozesses. Die Hautfarbe war schon immer ein Faktor bei der Regelung der Einwanderung, aber diese primitiven Seiten des Rassismus wurden hinter einem Schleier des Anstands versteckt, außer an den Rändern der Gesellschaft.

Die gemeinsame Asylpolitik der EU hat immer nur dann funktioniert, wenn es um die negativen Dinge ging, wie Externalisierung, Push Backs und Abschiebungen. Hingegen gibt es absehbar keine gemeinsame Willkommenspolitik und die Verteilung der Asylsuchenden wird auch mit den neuen Asylsystem, GEAS, nicht funktionieren. Die Zahl der Push-Backs an den EU-Grenzen lag 2024 bei über 120 000, einschließlich der Pull-Backs durch die libysche Küstenwache. Frontex registrierte 2025 eine um 25% geringere Zahl irregulärer Grenzübertritte in die EU, musste jedoch konzedieren, dass die Route über das zentrale Mittelmeer weiterhin eine große Bedeutung hat:

Im Jahr 2025 blieb das zentrale Mittelmeer die aktivste Migrationsroute in die EU, wobei die Aufdeckungsraten weitgehend denen von 2024 entsprachen. Die Abfahrten aus Libyen blieben ein entscheidender Faktor für die Migrationsbewegungen in Richtung Italien.

Die Zone des Ertrinken-Lassens

Während das GEAS-Projekt der externen Hotspots und der von FRONTEX geleiteten Abschiebungen eine neuere Entwicklung ist, wurde die Zone des Ertrinkenlassens seit der Gründung der EU im Jahr 1993 als Zone der Abschreckung aufrecht erhalten, nicht ohne dass Krokodilstränen vergossen wurden. Ein regelmäßiges Monitoring der Migration über das Meer gibt es nicht nur bei IOM, Frontex und UNHCR, sondern vor allem durch das Alarmphone und in Echoes, der Zeitschrift des Civil MRCC, sowie, zur Atlantikroute, bei Caminando Fronteras.

Viele Menschen haben sich, unter dem Druck der Küstenwachen und der Bedingungen in den Maghreb-Staaten, in den letzten zwei Jahren zur Überfahrt zu den Kanaren entschlossen. Nach Zählung von Caminando Fronteras starben auf dieser Route 10475 Menschen im Jahr 2024 und 3090 Menschen im Jahr 2025, darunter 192 Frauen und 437 Kinder. Die Zahl der Ankünfte war 2025 um 62% auf 17.788 gesunken, also ertrank jeder Sechste auf der Überfahrt.

Nicolas Lambert hat die 68 000 Todesfälle von Menschen auf dem Weg nach Europa zwischen 2000 und 2024 kartiert.

Karte Tote

Karte: migreurop Decembre 2024

Die nordafrikanische Zone

Die Maghreb-Länder und Ägypten bilden die zweite Zone des Kordons. Migration-Control.Info und Andere haben gut dokumentiert, wie viele Milliarden die EU an die Machthaber und Militärregime in Marokko, Tunesien, Libyen sowie Ägypten gezahlt hat. Auch Mauretanien hat sich der Gruppe der stellvertretenden Grenzwächter angeschlossen und gerade hat Senegal neue Millionen für die Migrationskontrolle erhalten. In all diesen Ländern, inzwischen auch in Ostlibyen, wurden Küstenwachen finanziert und ausgerüstet. Einige große IGOs wie UNHCR, IOM, ICMPD, GIZ und andere sind in den Aufbau von Grenzstrukturen und bei der Entsorgung der „People on the Move“ eingebunden.

Der nordafrikanischen Bevölkerung sind die Gelder aus Europa nicht zugute gekommen. Diese wurden in Waffen und Ausrüstung investiert oder vom König in Marokko, der Militäraristokratie in Ägypten, den Chefs der Milizen in Libyen oder der Präsidialverwaltung in Tunesien zum eigenen Wohl verwendet. Die Situation im Rif, im tunesischen Hinterland oder im Nildelta hat sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert und zahlreiche Harraga der Zukunft warten auf ihre Chance. Die Jugendlichen, die nach Ceuta schwimmen, sind ein Aufscheinen dessen, was möglich ist, wenn die Regimes im Maghreb oder in Ägypten einbrechen.

Abfangen der People on the Move

Im Jahre 2012 urteilte der Europäische Menschenrechts-Gerichtshof, dass Personen, die auf dem zentralen Mittelmeer in Booten aufgegriffen wurden, nicht nach Libyen zurückgeschoben werden durften. Daraufhin stellte Italien seine Seenotrettung („Mare Nostrum“) ein. Ab 2017 wurde in Libyen eine Küstenwache installiert, um Boat People nach Libyen zurückzuholen (Pullbacks). Die Luftaufklärung wird hilfsweise von FRONTEX übernommen. Eine sntsprechende Zusammenarbeit Italiens und der EU mit der tunesischen Küstenwache gibt schon seit mehr als 20 Jahren. Schnellstmöglich soll nun auch in Ostlibyen eine „zivile“ Seenotrettung installiert werden.

Das Vorgehen der Libyschen Küstenwache wurde vielfach dokumentiert. Immerhin besteht auf Seiten der West-Libyschen Milizen ein, wenn auch geringes, Interesse am Überleben der Boat People, sei es, um Lösegelder zu erpressen, Arbeitskräfte zu verkaufen oder Frauen in die Prostitution zu zwingen. Hingegen hat die Tunesische Küstenwache für diese Menschen keine Verwendung. Sie werden in der Wüste ausgesetzt. Ein UN-Experte erklärte im Oktober 2024,

"Wir haben schockierende Berichte über gefährliche Manöver beim Abfangen von Migranten, Flüchtlingen und Asylbewerbern auf See, über körperliche Gewalt, einschließlich Schlägen, Androhung von Schusswaffengebrauch, Entfernung von Motoren und Treibstoff und das Kentern von Booten erhalten".

Im Jahr 2023 wurden vor der libyschen Küste 21 762 Pull-Backs gezählt. Die Zahl der Aufgriffe durch die tunesische Küstenwache lag noch deutlich höher. Marokko gibt an, im Jahr 2024 78 685 Versuche, Europa zu erreichen, vereitelt zu haben, wobei 58 % der Migrant:injnen aus Westafrika stammten. Zahlen zu Aufgriffen durch die ägyptische und ostlibysche Küstenwache liegen nicht vor. Die Atlantikroute hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, aber die Zahlen der Aufgriffe durch die mauretanische und senegalesische Küstenwache sind nicht bekannt.

Rassismus und Routes of Torture

Die Situation der Migrant:innen in Nordafrika hat sich in dem Maße verschlechtert, wie Europa für die Abwehr dieser Personen bezahlt hat. Große Teile der Bevölkerung leben in Armut, und nach 2011 hat sich nichts verbessert. Der Rassismus gegen Schwarze Menschen dient dazu, Enttäuschung und Aufbegehren zu kanalisieren. Dieser Rassismus existiert unterschwellig seit Jahrhunderten. Jetzt treibt er neue Blüten, in Marokko, in Ägypten, in Libyen, aber vor allem in Tunesien.[12]

Die Situation in Tunesien wurde auf dieser Website und in einer Cartographie des Violations von OMCT unter dem Titel Les Routes de la Torture dokumentiert. Amnesty hat im November 2025 eine Dokumentation vorgelegt: „Nobody hears you when you scream“. Zusammenfassend hat auch Melting Pot über die „Unsichtbaren Grenzen Europas“ berichtet.

Refugees in Libya erklärten in einem Interview im September 2024:

Nach Angaben der Migranten, die in diesen behelfsmäßigen Lagern leben, sind mehr als 80.000 Migranten in diesen Lagern (bekannt als Kilometer) von km 19 bis km 38 gestrandet, und etwa 1.500 sind täglich an der libysch-tunesischen Grenze gestrandet, und etwa 2.000 weitere an der algerischen Grenze, wo viele mit katastrophalen Bedingungen konfrontiert sind, einschließlich eines Mangels an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Mindestens 300 sind in diesem Jahr bereits gestorben, nachdem sie in der Wüste ausgesetzt wurden oder aufgrund medizinischer Nachlässigkeit in den provisorischen Lagern.

Im Mai 2025 wurden die Lager rund um Sfax weitgehend geräumt und mit Planierraupen und Baggern zerstört. Hunderte wurden von Tunesien nach Libyen geschoben oder nach Algerien ausgewiesen. Zeitgleich schob Algerien Tausende in den Niger ab.

Nach Libyen reisen viele Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, doch die Sicherheitslage verschlechtert sich und es kommt häufig zu rassistischen Übergriffen. Dies begünstigt die Entscheidung, ein Boot nach Europa zu besteigen. Die Hölle beginnt, wenn das Boot abgefangen wird und die POM inhaftiert werden. Die Familien in den südlichen Kriegsgebieten sind zunehmend verarmt und können das Lösegeld nicht bezahlen. Die Flüchtlinge werden als Arbeitskräfte verkauft; manche wurden erschossen und in Massengräbern verscharrt.[13] Andere werden wahllos in großem Stil deportiert.

Gerade hat Afrique XXI eine Untersuchung über die Gefängnisse in Libyen veröffentlicht: „Ein Gefängnissystem im Schatten Europas“, in dem Tausende bis in den Tod verlassen sind. Indessen wird über Avancen Italiens berichtet, 70 neue Rückkehrzentren in Libyen zu errichten.

Von Ost-Libyen aus hat sich ein Migrationsweg nach Kreta eröffnet, von dem Haftars Armee in doppelter Weise profitiert: Von den Migrant:innen werden hohe Gebühren kassiert, andererseits ließ sich Haftar von Meloni bestechen und inszenierte im Sommer 2025 eine Kampagne gegen sudanesische Refugees. Refugees in Libya hat mehrere Videos über die Gewalt in Tobruk veröffentlicht. Hunderte wurden zurück ins Kriegsgebiet deportiert. Im Dezember 2025 wurde nun auch ei geschlossen werdenn Treffen Haftars mit EU-Vertretern gemeldet: der Weg nach Kreta könnte schon bald wieder geschlossen werden.

Auch in Ägypten ist die Situation für Schwarze Migrant:innen sehr ernst geworden, vor allem seit der Krieg im Sudan begonnen hat. Dies betrifft vor allem den verarmten Teil der Geflüchteten: "Wer nicht abgeschoben wird, bleibt in Haft", so hieß es 2024 in einem Bericht. Die Menschenrechtsorganisation RPEGY schrieb im August 2025:

Zu diesen Maßnahmen gehören Massenverhaftungen, organisierte und landesweite Zwangsabschiebungen ohne gerichtliche Überprüfung und praktisch ohne ordentliches Verfahren sowie Razzien in den Wohnungen von Flüchtlingen oder Asylbewerbern und rassistische Kontrollen bei Stichproben und Straßenrazzien aufgrund der Hautfarbe oder des Wohnviertels. Viele dieser Praktiken sind in der Geschichte Ägyptens, das bisher relativ offen für Flüchtlinge war, beispiellos – insbesondere hinsichtlich ihres Ausmaßes und ihrer Tragweite.

In Marokko finden nach wie vor viele Schwarze Afrikaner:innen in den ärmeren Stadtteilen der großen Städte Unterschlupf. Allerdings ist UNHCR Gegenstand von Protesten, weil die Unterstützung für Geflüchtete minimal ist. Die Weiterreise über Algerien nach Tunesien ist längst nicht mehr attraktiv und die Atmosphäre im Norden Marokkos ist noch immer durch das Massaker von Melilla geprägt. Schwarze Migrant:innen werden nur in der Südhälfte Marokkos geduldet. Die Razzien im Norden Marokkos haben die Colour-Line gewissermaßen ins Innere des Landes verlagert.

Pushbacks in die Kriegszone

An den südlichen Grenzen der Maghbreb-Staaten und Ägyptens, die quer durch die Sahara verlaufen (mit Ausnahme des Niltals), finden zunehmend mehr Push-backs statt, bei denen die Schwarzen Migrant:innen in der Wüste ausgesetzt werden. Diese südliche Grenze entspricht der transafrikanischen Colour Line. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mussten Schwarze Afrikaner:innen diese Linie als Versklavte überqueren. Sie bearbeiteten die Oasen oder wurden zum Handelsgut der Araber und Osmanen. Nach Abzug der Kolonialmächte verwischte sich diese Linie, weil immer mehr Schwarze Migrant:innen diese Linie auf der Suche nach Arbeit in Libyen oder auf dem Weg nach Europa überquerten. Erst in jüngster Zeit sind diese Grenzen aufgrund der Push-backs und des wieder auflebenden Rassismus wieder scharf gezeichnet.

Allerdings sprechen wir von einer „Linie“ im übertragenen Sinn, denn eigentlich handelt es sich um einen einen - wenn auch spärlich bewohnten - Raum, der von Mobilität und Konnektivität durchdrungen ist, von „Villages and Crossroads“ (Saharan Frontiers, 131). Die Beziehungen der Wüstenvölker zu den Schwarzen Migrant:innen wäre ein eigenes Thema, das wir hier nicht aufgreifen können. Die Oasen wurden Jahrhunderte lang von Sklaven bewirtschaftet, und noch heute gibt es einen verfestigten Rassismus der berber- und arabischstämmigen Wüstenbevölkerung.[14] Allerdings waren die Einnahmen aus dem Transportgeschäft, insbesondere in Agadez, stets willkommen.

Algerien hat in 2024 31 000 Menschen nach Niger abgeschoben und im Jahr 2025 hat das Alarmphone Sahara 34.236 Abschiebungen dokumentiert. Alarmphone Sahara berichtet seit mehreren Jahren über derartige Abschiebungen (einschließlich der Migrant:innen, die von Marokko oder Tunesien nach Algerien abgeschoben wurden). Viele von ihnen stranden in Agadez, wo die Akteure im Transportgeschäft rücksichtlsoser und weit teurer geworden sind als zuvor.

Die Abschiebungen aus Libyen, die sich im Dezember 2024 auf mehr als 600 Männer und im Juli 2025 auf 400 Männer beliefen, folgten direkt auf Initiativen der Meloni-Regierung. Milizen gingen dazu über, Tausende zu vertreiben. Nur wenige hatten das Glück, mit einem Flugzeug nach Mali und in den Tschad verbracht zu werden. Der Tschad hat im Juli 2024 157 Staatsangehörige in "Partnerschaft mit der IOM" repatriiert.

Im Dezember 2025 erklärten die libyschen Behörden:

Sie beabsichtigen, die Zahl der Rückführungen von Migranten zu erhöhen, insbesondere im Falle von Migranten aus Ländern südlich der Sahara. Auch Migranten aus Bangladesch werden regelmäßig in ihre Heimat zurückgeschickt, und laut IOM nimmt auch die Zahl der irregulären Einreisen ab.
Der Innenminister erklärte, dass die Regierung seit Oktober ein sogenanntes „nationales Rückführungsprogramm” durchführe und dass das Ziel darin bestehe, monatlich „Tausende von Migranten” in verschiedene Länder, darunter Tschad, Somalia und Mali, zurückzuführen. Laut AFP sind mindestens zwei Rückführungsflüge pro Woche geplant, wobei Frauen, Kinder und ältere Menschen Vorrang haben.
Trabelsi stellte klar, dass Libyen keine Migranten aufnehmen wolle, die von der EU abgelehnt werden, und dass es nicht als Drittland für die Neuansiedlung dienen werde.

Die Verhältnisse in Ägypten wurden bereits erwähnt. Wie ein Bericht von Sara Creta und Nour Khail (April 2024) dokumentiert hat, werden Tausende von Flüchtlingen aus dem Sudan derzeit vom ägyptischen Militär und der Polizei in geheimen Militärstützpunkten gefangen gehalten, um in den Krieg im Sudan abgeschoben zu werden. Inzwischen gibt es einen weiteren Bericht dieser Autor:innen von Dezember 2025, der die Intensivierung der Abschiebekampagnen und die Ausweitung in die Städte dokumentiert, sowie die Untätigkeit von UNHCR. Diese Maßnahme sind eine direkte Folge einer neuen Asylgesetzgebung, die von der EU gefordert und finanziert wurde.

Mauretanien hat kürzlich damit begonnen, hunderte Malier über den Senegal Fluss abzuschieben. Die Razzien begannen, kurz nachdem die EU Kommission eine 210 Millionen Euro Migrationspartnerschaft angtekündigt hatte.[15] Die Kette der Abschiebungen setzt sich im Senegal fort, wo gerade 30 Millionen Euro für die Migrationskontrolle ausgeschüttet wurden.

Colour Line reduced

Colour Line durch Afrika: Die Karte ist eine Abwandlung der ACLED-Karte.

Blaue Kreise: Waffen aus der EU, Bewaffnung der Küstenwachen, Schwarze Ps: Push Backs oder Pull Backs, Schmale rote Linien: Befestigte Grenzen

Jenseits der Colour Line

Die Schließung der Grenzen, das Ertrinkenlassen und das Verschwindenlassen in der Wüste, Aufrüstung und Training der Küstenwachen, die Bezahlung von Milizen oder Regierungen für Push-Backs und Abschiebungen - all das ist das Ergebnis und das Ziel der EU-Politik. Auf der anderen Seite der Colour Line ist Europa auf dem Rückzug.

Noch vor wenigen Jahren haben wir die französische Militärpräsenz in der Sahelzone und MINUSMA als europäisches Engagement zur Stabilisierung zweifelhafter Regime und europäischer Rohstoffinteressen sowie zur Befestigung der Grenzen kritisiert. Die Militärputsche in der Sahelzone (mit Ausnahme des Senegal), beginnend 2020 in Mali, wurden von vielen Menschen dort, insbesondere in der Hauptstadt, begrüßt. Und als 2023 das neue Militärregime in Niger die Reisebeschränkungen in Agadez aufhob, sah das nach einer großen Wende aus. Es gab eine neue Höchstzahl an Menschen, die in Lampedusa landeten. Aber Europa reagierte schnell, indem es rasche Deals abschloss und Gelder bereitstellte, den Rassismus in Tunesien und Libyen wohlwollend behandelte und die beschriebene Kaskade von Push-Backs und Abschiebungen in Gang brachte.

Die Desintegration der ECOWAS wirkt sich auf die Migration letztlich negativ aus.[16] Die Routen sind durch Milizen und Armee blockiert, Grenzbeschränkungen zwischen den Putsch-Sstaaten und der ECOWAS haben neue Hindernisse für die Migration geschaffen. Allein im Jahr 2025 gab es 450 Angriffe der Djihadistenmilizen und mehr als 1900 Tote. Bamako befindet sich im Belagerungszustand. 4 Millionen Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, wurden aus den Kriegsgebieten vertrieben. Sie fristen ihr Leben zum Beispiel im Mbera Camp in Mauretanien, wo der UNHCR aufgrund fehlender Mittel die Rationen kürzen muss, oder in provisorischen Unterkünften in den Provinzstädten, wo keine Hilfe sie erreicht. Nur 1/3 der vorgesehenen Hilfsgelder für 2025 sind finanziert. Aber auch für die übrige Zivilbevölkerung besteht eine zunehmende Unsicherheit in der Nahrungsmittelversorgung.

Food

Aus: OHCR Overview

Sahel: Ökonomie des Chaos, Dschihadismus und Extraktivismus

Die Militärregimes in Mali, Niger und Burkina Faso haben sich zu einer Allianz (AES) verbündet, die trotz grausamer Militäraktionen im Lauf des letzten Jahres in die Defensive geraten ist. Frankreich und MINUSMA wurden durch russische Söldner, türkische Drohnen, chinesische Geschäftsleute und chinesische Militärinteressen ersetzt. Während das europäische militärische Engagement von den Medien und Parlamenten kritisch begleitet wurde, können die Armeen und Söldner nun ungehindert agieren. Weitere Gebiete in Mali, Burkina Faso und Niger wurden in Kriegszonen verwandelt. Die Washington Post spricht von "Crossroads of Confict":

Über die gesamte Breite Afrikas, vom Atlantik bis zum Roten Meer, erstreckt sich ein Gürtel des Chaos. Nirgendwo sonst haben die islamistischen Extremisten seit der Niederlage des Islamischen Staates im Nahen Osten so erstaunliche Zuwächse zu verzeichnen, wobei sich dieser Landstrich zum neuen Epizentrum dschihadistischer Aktivitäten entwickelt hat.

Die Pastoralisten, in die Enge getrieben zwischen der von Norden vordringenden Wüste und der staatlich geförderten Agroindustrie im Süden, sind eher als die Bauern empfänglich für dschihadistische Ideologien. Ihre Ökonomie, von der mehr als 20 Millionen Menschen abhängig sind, ist schwer beschädigt. Die Bevölkerung der Dörfer ist zwischen Dschihadisten und Armee hin- und hergerissen. Sie werden von der Armee gezwungen, Gräben auszuheben, und dann von den Dschihadisten massakriert, oder sie stellen sich auf die Seite der Dschihadisten und werden von der Armee, russischen Söldnern und den türkischen Drohnen getötet. Die Überlebenden werden vertrieben und fliehen zu Hunderttausenden.

Hinter dem "anti-kolonialen" Nationalismus der Militärs scheint sich ein Konzept der Inbesitznahme und Inwertsetzung des Territoriums zu entwickeln, das sich unter dem Druck einer neuen Schuldenkrise radikalisiert. In Analogie zur Ökonomie des Kriegs im Sudan könnte man von einer Ökonomie des Chaos im Sahel sprechen.Überall in der Sahelzone, vor allem aber in Mali, ist Gold die Hauptquelle der Gier.

In den letzten fünf Jahren ist der Goldpreis um 75 Prozent gestiegen. [...] In Afrika wird der Goldboom dadurch angeheizt, dass Millionen von Menschen oft in illegalen Minen ohne Sicherheitsstandards schürfen. Die Hauptprofiteure sind Schmuggler, China, Dubai und Dschihadisten. In Westafrika und insbesondere in der Sahelzone herrscht ein Goldrausch, wie einst im Wilden Westen der USA.

Eine wichtige Rolle beim Rohstoffabbau und Landraub in der Sahelzone spielen die Vereinigten Arabischen Emirate, wo alle Männer mit Koffern voller Gold willkommen sind. Auch die Gewinnung von Uran, Öl, Seltenen Erden und Lithium wird aggressiv vorangetrieben.

Während die industriellen Investitionen stark militarisiert sind (chinesische Unternehmen betreiben zum Schutz ihrer Investitionen eigene Drohnenstationen), arbeiten allein in Mali bis zu 2 Millionen Männer in den handwerklichen Goldminen. In gewisser Weise ist dies ein Ausgleich für die blockierte Migration in die südlichen Länder der ECOWAS oder in den Norden. Die Alternativen dazu sind für die jungen Männer in Zeiten der blockierten Migration das Militär oder der Dschihadismus. Viele von ihnen würden gerne in andere Länder migrieren, aber alle Routen sind blockiert. Der Dschihadismus bietet ihnen etwas Geld, Beute und ein Motorrad.

Achille Mbembe hat kürzlich in Internazionale einen Artikel mit dem Titel Il sovranismo africano che cancella la libertà (Afrikanische Souveränität, die die Freiheit auslöscht) veröffentlicht, in dem er betont, dass „Befreiung“ auf einer rebellischen Jugend beruht und auf Koalitionen, die von feministischen Organisationen, Bürgervereinigungen, städtischen Bewegungen und Kollektiven von Jugendlichen, Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern auf der Suche nach Alternativen unterstützt werden.

Begünstigt durch den demografischen Wandel stehen die jüngeren Generationen heute im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses: Angesichts der Überalterung der Machtsysteme wollen sie die Entwicklung des Kontinents mitbestimmen [...] Sie sind überzeugt, dass es ohne Demokratie und Engagement für die Gemeinschaft weder eine vollständige Souveränität noch eine vollständige Entkolonialisierung geben wird.

In seinem Artikel prangert er die Strömung des Nationalismus und Militarismus an:
[Diese] Strömung stützt sich auf einen illusorischen Panafrikanismus und stellt sich als Antwort auf die Herausforderungen einer Welt dar, die immer noch weitgehend von den Interessen der Großmächte bestimmt wird. In Wirklichkeit geht es in erster Linie um die Logik der Macht und um interne Kämpfe um nationale Ressourcen. In der Überzeugung, dass das Gleichgewicht der Kräfte die Gesetze bestimmt, zögern die Anhänger dieser Strömung nicht, Putsche und Militärregime zu unterstützen, solange sie als wirksame Bollwerke gegen neokoloniale und imperialistische Übergriffe angesehen werden. [...] Diese Mischung aus Staatsstreich und Souveränismus nimmt Gestalt an und institutionalisiert sich, vor allem in Westafrika und der Sahelzone. Mehr als in anderen Teilen des Kontinents geht die Zunahme der terroristischen Bedrohung Hand in Hand mit dem Anstieg des Militarismus. Die Regimes in Mali, Burkina, Faso, Guinea und Niger träumen in unterschiedlichem Maße von der Errichtung von "Kasernenstaaten", in denen das politische, soziale und wirtschaftliche Leben von den Erfordernissen eines dreifachen Krieges bestimmt wird: gegen den Terrorismus, den Imperialismus und die inneren Feinde.

Reproduktion und Mobilität

Das Militär entfaltet seine Logik und den Kampf um Ressourcen in einer Umbruchsituation, in der die Reproduktion der Bevölkerung in großen Teilen noch nicht völlig vom Cash-Nexus durchdrungen ist. Der französische Kolonialismus stieß entlang der Flüsse vor, entwickelte aber zu Bauern und Pastoralisten eher ein tributäres Verhältnis. Die Ökonomie der Dörfer erinnert in mancher Hinsicht an die peasant economy, die Alexander Chayanov in Bezug auf das russische Dorf beschrieben hat. Migration der jungen Generationen ist in einer solchen reproduktiven Ökonomie ein Bestandteil der Beschaffung von Einkommen, der nicht wegzudenken ist. Subsistenz, Lohnarbeit und Mobilität gehörten eng zusammen.[17] Theodore Shanin (1971) hat es unternommen, Chayanovs Einsichten für andere Regionen der Welt zugänglich zu machen.

Aus dieser Sichtweise steht die Einspeisung von Arbeitskraft in den kapitalistischen Zyklus, wie sie z.B. Claude Meillassoux vor 50 Jahren untersucht hat, nicht im Vordergrund. Auch ist die Migration im Sahel nicht allein eine Folge kolonialer Zwangsmaßnahmen, obwohl Zwangsrekrutierung und Kopfsteuer eine wichtige Rolle gespielt haben. Die postkoloniale Mobilität aus den bäuerlichen Siedlungen in die Städte, in die Plantagenzonen des Senegal, der Elfenbeinküste oder nach Ghana, oder weiter nach Europa, folgten nicht umstandslos dem Ruf des Kapitals nach billigen Arbeitskräften, sondern sie folgten in erster Linie einer Überlebensstrategie der reproduktiven Ökonomie.

Migration ist seit langem ein prägendes Merkmal der afrikanischen Sahelzone, wo historische Handelswege, saisonale Arbeitsmobilität und transnationale Verwandtschaftsnetzwerke die Migrationsmuster geprägt haben. (Minko 2025)

Über die Bedeutung von Mobilität und Migration in Westafrika berichtet Olaf Bernau (2022, 89 ff.) in einem Kapitel seines interessanten Buchs. Er betont, dass (Rotations-) Migration für ein Leben in den Dörfern und für den Unterhalt von Familien in einem Umfeld extremer Armut unverzichtbar ist. Zwei Drittel der Bevölkerung in der Sahelzone leben auf dem Land, und die Migration sichert ihren Lebensunterhalt und ihre Verbindung zu den Städten. Indem Europa wichtige Migrationsrouten für einige Tausende kappt, schneidet es Hunderttausenden den Weg zum Überleben ab.

Vielleicht ist es schon bald zu spät, über die reproduktive Ökonomie der Dörfer im Sahel nachzudenken? In den 1990er Jahren gab es dazu eine Reihe interessanter Studien. Zum Teil waren sie an den Lebenssituationen der Frauen interessiert,[18] andere folgten der Theorie des Arbeitswerts.[19] Aus der jüngeren Zeit ist insbesondere das Buch von Camilla Toulmin (2020) über die Ökonomie eines Dorfs in der malischen Region Ségou zu erwähnen, in dem plastisch dargestellt wird, dass diese Dörfer ohne Migration nicht überleben können.

Nicht das Kamel, sondern das Motorrad ist das Transportmittel No 1 im Sahel und der Traum der jungen Männer. Das Motorrad verspricht eine nie gekannte Mobilität. Neue Formen des Protests und eine neue Jugendkultur könnten entstehen. Aber die Realität ist anders. Ausgerüstet mit einem Motorrad und einem Wasserkanister vagabundieren viele der entwurzelten Jugendlichen auf der Suche nach Arbeit oder Beute quer durch den Sahel. Sie kämpfen im Norden Nigerias, am Tschadsee, in Libyen und derzeit auf Seiten der RSF im Sudan. Oft werden sie direkt mit Kriegsbeute bezahlt. Wie viele der Dschihadisten kommen diese jungen Männer oft aus den Volk der Fulani, das andererseits zunehmend häufig zum Opfer der Militärattacken wird. An diesem Beispiel könnte man diskutieren, wie die Enteignung der Lebensgrundlagen nicht zu einem Aufstand führt, sondern zu einer Implosion von Plünderung und Kriegen.[20]

Durch den Grenzkordon, durch die Colour Line treibt Europa noch mehr junge Männer nicht nur in die handwerklichen Goldminen, wo ihre Arbeit an die Arbeit der Sklaven in den Oasen erinnert, sondern auch zu den RSF im Sudan und in die Dschihadistenmilizen. In weiten Regionen haben sich die Dschihadisten als Ordnungskräfte etabliert. An vielen Orten halten sie Hof und stellen sich entschieden gegen die kapitalistische Expansion Fast könnte man meinen, sie würden eine Rebellion gegen die Enteignung der Bevölkerung anführen. Aber diese Kämpfer sind Teil einer Gewaltimplosion hinter geschlossenen Grenzen. Dschihadisten brauchen geschlossene Räume,um ihr Unwesen zu treiben. Revolten für die Freiheit sind nicht denkbar ohne Bewegungsfreiheit.

Für die Diskussion über antirassistische Strategien in Zeiten eines neuen Kriegskapitalismus und der europäischen Ausgrenzungspolitik sollten wir, neben dem Bestand, zu dem die Verteidigung des Asyls ebenso sehr gehört wie die Seenotrettung, unseren Horizont erweitern:

  • Wir brauchen Konzepte, mit denen wir das faktische Aufenthaltsrecht der Migrant:innen verteidigen können, auch wenn das Rechtssystem von Asyl und Duldung nicht mehr greifen sollte. Die letzten 10 Jahre machen einen Unterschied: es gibt zahlreiche post-migrantische Strukturen der Selbstorganisation in Europa, auf die wir uns stärker beziehen können. Noch einmal: New York ist unser Leuchtturm.
  • Jenseits des Mittelmeers gibt es wichtige Initiativen, die sich dem maghrebinischen Rassismus entgegenstellen, sowohl in Marokko wie auch in Tunesien und in Ägypten. Es ist wichtig, diese Initiativen nach Kräften zu unterstützen und transmediterran zu kooperieren. Es ist wichtig, die Bewegungsfreiheit der maghrebinischen Jugendlichen in gleicher Weise zu fördern wie die der subsaharischen Schwarzen Migrant:innen.
  • Es gibt einen Eurozentrismus in der Migrationsdebatte, den wir problematisieren müssen. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, die Süd-Süd-Kommunikation, dortige Debatten und Initiativen zu unterstützen und deren Argumente und Forderungen hier in Europa Gehör zu verschaffen.
  • Vielleicht kann es uns gelingen, in Dimensionen einer transmediterranen reproduktiven Ökonomien zu denken und zu agieren, welche die Ökonomie der Diaspora, die Ökonomie des metropolitanen Widerstands und die reproduktiven Ökonomien der subsaharischen Bevölkerungen miteinander verknüpft. Wenigstens einige Flecken in Europa könnte ein Teil des Black Atlantic werden!

Es ist doch gar nicht unser Problem, dass Europa zur Peripherie wird (oder auch „provinzialisiert“ wird). Wir wollen doch gar nicht, dass sich Europa im Machtgefüge des neuerlichen Kriegskapitalismus noch einmal behauptet. Europa könnte ein Ort der Diaspora und der Freiheit sein.

Footnotes

  1. Cf. Paul Gilroy (1993): The Black Atlantic, London and New York, Kapitel 4

  2. Léon Poliakov (1978): Geschichte des Antisemitismus Band II. Übrigens war die Geschichte des Islam mit der jüdischen Diaspora viel toleranter (Vgl. Poliakov, Bd. III). Wenn man über die „Geschichte des Westens“ nachdenkt, ist das sicherlich ein interessanter Punkt.

  3. Ohne die langjährige Debatte über den Antisemitismus aufnehmen zu wollen, sei hier nur angemerkt, dass sich dieser sowohl gegen die Juden als personifizierte Indifferenz des Kapitals richtete als auch gegen die subsistenziellen Beziehungsgeflechte der Armutsbevölkerung in der Diaspora. Beides widersprach der politischen Ökonomie der Nationen und der Lohnarbeit.

  4. Ob auch der Holocaust als „kolonialer Genocid“ einzuordnen ist, sei hier dahingestellt. Vgl. auch Empire, Colony, Genocide (Dirk Moses, 2008),

  5. Im "Generalplan Ost"der Nazis ging es um die Unterwerfung von Territorien unter eine Kriegswirtschaft und die Vertreibung der jüdischen und sklavischen Bevölkerung. Der Plan ging einher mit einer Theorie der "Überbevölkerung" und Rationalisierung. Er bietet einen Hintergrund von Memen und Ideologien, die zum Teil auch heute wirkmächtig sind.

  6. A. Sivanandan, Liz Fekete (2001), Migration und Rassismus im Zeitalter der Globalisierung, in: Materialien 7, Die Globalisierung des Migrationsregimes, S. 175

  7. Deutschland : Marokko : Niger= 50 : 4 : 1

  8. Das Recht auf Asyl leitet sich aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ab und wurde in der BRD 1949 im Grundgesetz verankert. Die Immigration war bis Anfang der 1970er Jahre Arbeitsmigration, in den Folgejahren Familiennachzug. Ab Ende der 1980er Jahre beriefen sich zunehmend mehr Migrant:innen auf das Asylrecht. Dieses wurde seit 1993 in mehreren Schritten revidiert.

  9. Dieser von Sven Beckert geprägte Begriff ist in vielerlei Hinsicht tragfähiger als der Begriff „Ursprüngliche Akkumulation“. Eine der Qualitäten des neuen Buchs Sven Beckert (2025), Kapitalismus, liegt darin, dass er den Krieg zwischen Kapital und Subsistenz über die Jahrhunderte beschrieben hat.

  10. Gilroy, Paul (2010): Darker than Blue, Cambridge and London

  11. Mbembe, Achille (2002), The New Africans Between Nativism & Cosmopolitanism, In: Geschiere, Peter et al., Readings in Modernity in Africa, London 2008

  12. Chouki El Hamel (2014): Black Morocco: A History of Slavery, Race, and Islam (Cambridge); Stephen J. King (2021): Black Arabs and African migrants: between slavery and racism in North Africa, The Journal of North Africa Studies; Arab Reform Initiative (2020 - ongoing): Mobilizing against Anti-black Racism in MENA: A Reader; Laura Menin (2024): “Anti-black racism” as a slavery’s afterlife? Sub-Saharan African migrants in the marginalized neighbourhoods of Rabat, Anuac

  13. Auch im Januar 2026 wurden in Kufra Massengräber und eingesperrte Refugees gefunden: Siehe Reuters 15.01.26 und Devdiscourse 18.01.26.

  14. Stephen J. King (2021): Anti-Black Racism and Slavery in Desert and Non-Desert Zones of North Africa, POMPES

  15. Mehr als 300 000 Geflüchtete aus Mali leben in Lagern in Mauretanien; bei den Abschiebungen ging es um Personen, die sich in den Küstenstädten Nouakchott und Nouadhibou aufhielten.

  16. Minko, Abraham Ename (2025): On Shifting Sands in Africa’s Sahel Region: Tensions between Security and Free Movement, MPI August 20,2025

  17. Gijs Kessler (2012): Wage Labor and the Household Economy: A Russian Perspective, 1600–2000 (Brill)

  18. Vgl. Elke Grawert (Hsg) (1994): Wandern oder Bleiben? Bremer Afrika Studien Bd. 8, LIT (Münster)

  19. Bernal, Victoria (1991): Cultivating Workers.Peasants and Capitalism in a Sudanese Village, Columbia University Press

  20. In Europa der Frühen Neuzeit waren die „Kriegsarbeiter“; eine militärische Revolution und exzessive Gewalt für den Kapitalismus konstitutiv. Peter Way (2009): Klassenkrieg: Die ursprüngliche Akkumulation, die militärische Revolution und der britische Kriegsarbeiter, in: Marcel van der Linden, Karl Heinz Roth, Über Marx Hinaus, Berlin (Assoziation A), S. 85 ff