Artikel: Agadez – Vom Drehkreuz zur Sackgasse

Medico International, November 2019: Ramona Lenz schreibt in ihrem Bericht ueber die Situation von Migrant*innen in Agadez, der Auswirkung europäischer Migrationspolitik auf die nördlichste Region des Nigers, sowie politische Organisation der Transitmigrant*innen zusammen mit der nigrischen zivilgesellschaftlichen Organisation Alternative Espaces Citoyens.

Im Gespräch mit einem gambischen Transitmigranten, zeigt dieser auf, dass sich viele Personen auf dem Weg nach Europa den Risiken bewusst seien, die ‘Informationsarbeit’ von IOM somit überfluessig und die Gefahr kalkuliert, der Wille Familien zu Hause zu oftmals groesser.

Für lange Zeit galt die Stadt Agadez als wichtiger Transitpunkt fuer Migrant*innen aus verschiedenen afrikanischen Laendern auf dem Weg Libyen. Doch der Druck der EU Migration durch die Stadt einzubinden hat dies verändert. Lenz schreibt:

2015 erließ die nigrische Regierung auf Druck der EU ein Gesetz, das bis zu 30 Jahre Haft für Menschenschmuggel vorsieht. Betroffen davon sind vor allem die sogenannten Passeure, die die Reise der Migrant*innen ab Agadez in Richtung Norden organisieren, aber auch Menschen, die Migrant*innen während ihres Aufenthaltes Unterkunft gewähren. Tätigkeiten, denen viele Einwohner*innen von Agadez zuvor vollkommen legal und steuerpflichtig nachgehen konnten.

Dies führte nicht nur zu weniger Migration durch Agadez, sondern auch teureren und gefährlicheren Routen. Ein wichtiger Akteur, der Migrant*innen ‘unterstützt’ ist die Internationale Organisation für Migration (IOM). Gleichzeitig erfasst sie aber auch statistische Daten zu Migrationsbewegungen seit 2016 an so gennanten Punkten in Gegenden mit „hoher Mobilität“ und laut dem Leiter der IOM Agadez, Oscar Safari, sogar bald in Kooperation mit dem Militär verstärkt Drohnen.

Doch die nigrische Zivilgesellschaft arbeitet auch gemeinsam mit Migrant*innen, um gemeinsam Initiativen gegen die Grenzkontrollen zu finden. Lenz schreibt hierzu:

Auf Einladung von AEC kommen um die hundert Migrant*innen – fast ausschließlich junge Männer, zum Teil noch sehr jung – zu einer Konferenz in einem Kulturzentrum in Agadez zusammen, außerdem mehrere nigrische Journalist*innen und der Präsident des Regionalrates von Agadez. (…) Am Ende des Abends ergreift Moussa Tchangari, der Direktor von Alternative Espaces Citoyens, das Wort: „Wir sind keine humanitäre Organisation, die Lebensmittel verteilt. Wir sind Journalist*innen und Aktivist*innen, die die Rechte von Migrant*innen verteidigen. Ihr müsst euch aber auch selbst organisieren und für eure Rechte eintreten! Macht aus euren individuellen Träumen einen kollektiven Traum!“

 

 

 

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